Weltgebetstag am 2. März 2012

„Steht auf für Gerechtigkeit“
Weltgebetstag 2012 am 2. März beim Frauenbund in St. Wolfgang

Frauen in Malaysia setzen sich ein für Gleichberechtigung, Gewaltlosigkeit und Arbeitsrechte. Sie haben die Texte für den Weltgebetstag erstellt. Kern der Botschaft ist, dass alle Einwohner des Vielvölkerstaates den Anspruch auf gleiche Bürgerrechte haben. Volksgruppe, Geschlecht oder Religion dürfen nicht mehr ausschlaggebend sein.
Über die wahren Umstände in Malaysia sind die interessierten Gäste aus den Pfarreien St. Johannes/Kumpfmühl, St. Josef/Ziegetsdorf, St. Paul/Königswiesen und
St. Wolfgang in einem Referat aufgeklärt worden. Zahlreiche Kommentare zu Fotoserie, Meditationsbild und Landeskarte ließen 120 Teilnehmer/Innen erstaunen und nachdenklich werden.
Gefördert wurde die Gemeinschaft besonders im Wortgottesdienst, den wir dieses Jahr im Wolfgangssaal feierten. Harmonie und Freude am gemeinsamen Beten und Singen wurde dem Vorbereitungsteam des Frauenbundes um Luise Fischer, Christl Reil, Cornelia Reidel , Martha Spreitzer, Burgi Straßberger und Michaela Wilhelm bestätigt. Die komplette Ansprache beim Wortgottesdienst von Cornelia Reidel ist auf der Internetseite der Pfarrei nachzulesen.

Der Singkreis Hock, die Leserinnen und das Anspielteam mit Blick auf „Mut, Beharrlichkeit und Gerechtigkeitssinn“ trugen wesentlich zum Gelingen des Weltgebetstages bei. Herzlicher Dank ergeht an die Frauen, die das reichhaltige Büfett ermöglicht und an alle, die zum Spendenertrag von 600 Euro beigetragen haben.

Cornelia Reidel
 

Hier zum Nachlesen die Rede von Cornelia Reidel, Religionslehrerin:

Steht auf für Gerechtigkeit!

Recht so! Sechs Richtige. Fahr rechts weg! Das werden wir schon richten. Es ist angerichtet. Tickt der noch richtig? Von Rechts wegen !

Wortsammlung und Wortspiele mit dem Stamm „richt“ führen fast unausweichlich dahin, dass ich nach dem Richtigen und dem Recht wohl zuerst für mich selbst, und wenn ich nicht als Egoist gelten will, sogleich nach dem Richtigen und dem Recht meines nächsten Menschen frage.

Und da könnte es bereits schwierig werden. Natürlich wissen wir um unsere unveräußerliche Menschenwürde und die damit verbundenen Menschenrechte – wie aber geht das im Alltag mit dem „es richtig machen“ und dem „selber gerecht werden“?

Bevor es konkret werden kann, sollten wir uns überlegen, wo die Wurzeln für unser rechtes Tun liegen könnten.

Schauen wir weit zurück auf etwas, das dem Volk Israel ganz eigen ist, das Prophetentum. Dazu gehört Habakuk, ein Mensch, der eine unmittelbare Gotteserfahrung besitzt,
einer, dem gezeigt wird, dass Gott das Heil will,
einer , der im Lichte Gottes das Gegenwärtige richtet
und der das Zukünftige schaut,
einer, der von Gott gesandt ist und an seine Forderungen erinnert. (1)

Habakuk aber wagt es, von Gott Rechenschaft über seine Regierung der Welt zu fordern. Zugegeben, Juda hat gesündigt, aber warum erweckt er den Anschein, der ungerechten Gewalt zum Triumph zu verhelfen?

Diese Gewalt ging nach Meinung der Bibelwissenschaftler aus von den Chaldäern, die Juda bekriegt und unterdrückt haben.
Es ist zwar nicht unbestritten so erforscht, aber wenn doch, dann würde diese Drangsal die Jahre zwischen 605 und 597 betreffen, als der Vordere Orient an Nebukadnezzar fiel. (2)

Habakuk ist dann ein Zeitgenosse Jeremias. „Dass der Gerechte wegen seiner Treue am Leben bleibt (vgl.Hab2.4) „ veranlasst Habakuk schließlich zum Jubel. Denn der allmächtige Gott führt das Recht zum Sieg, wenn auch auf widersprüchlichen Wegen.
So kann ein Grund für unser rechtes Handeln im lauten Schreien und Klagen liegen .
Eine ehrliche und engagierte Haltung bewegt etwas bei uns Menschen und erst recht bei Gott in Leben Judas damals und unserem Leben heute.
Diese Behauptung lässt sich aber nicht so einfach aufstellen oder halten, werfen Sie als Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht jetzt in Gedanken ein. Dazu braucht es schon einen langen Atem oder vielleicht nur Glück?

Dann möchte ich auf ein Spezifikum der beiden Bibelstellen aus unserem Wortgottesdienst hinweisen:
Was verhilft Habakuk und der ungerecht behandelten Witwe zu ihren Rechten, sodass sie selbst wieder handeln können ? Es ist beider Hartnäckigkeit!

Die Frau beugt ihren Nacken nicht, sie macht ihn hart und klagt die ungerechten Werke ein. Es ist anzunehmen, dass die Witwe sich mit ihrer Forderung auf die Tora, also das jüdische Gesetz stützen kann.

Wie sollte sie sonst eine Chance haben gegen den sich anfangs taub stellenden Richter ?
Wahrscheinlich geht es um die Auszahlung der Mitgift, die sie in die Ehe eingebracht hat. Nach dem Tod ihres Mannes steht ihr dieses Geld als Basis für die erste Zeit, in der sie allein lebt, zu.

Vermutlich hat diese Frau niederschmetternde Erfahrungen gemacht, verbunden mit Existenzangst und Demütigung. Ihr wiederholtes Vorsprechen, ihr Schreien und Klagen wird von Jesus in dem Gleichnis mit dem Schreien der Glaubenden zu Gott in Beziehung gesetzt.
Gott hört und ist nicht gleichgültig.

Bei dem Richter aber, vor den die Witwe tritt, verhält es sich anders. Aufhorchen lässt uns der Nebensatz „damit sie mir nicht ins Gesicht schlage!“(Lk18.5b)

Da die Klägerin sowieso entgegen dem Frauenbild aufgrund ihrer Hartnäckigkeit handelt, traut er ihr einen Faustschlag unter das Auge zu und unterstellt ihr wiederum Gewaltanwendung. Das ist unrecht von ihm. Er gibt nur aus Eigennutz nach und bestätigt ihren Anspruch. (3)

Wie aber wird er sich beim nächsten Rechtsstreit verhalten?
Verschafft er sich wieder eine moralische Unabhängigkeit?
Geht es nicht gerade auch um eine Umkehr?
„Das nicht bekehrte Leben ist Selbstgerechtigkeit“, schreibt Papst Benedikt XVI. zum Thema „Neuevangelisierung“.(4)

Bekehrung bedeute nämlich, dass wir aus der Selbstgenügsamkeit ausbrechen und nach einem neuen Lebensstil suchen.
Das heißt auch mutig werden und sein, sich einmischen und Gleichgültigkeit ablegen.
Unser Handeln wurzelt als im Wort Jesu, hier durch das Gleichnis.

Wenn wir gefragt werden, was wir konkret tun können , so gibt es zahlreiche Möglichkeiten:
Was sich als schlichtweg gut erwiesen hat, sollen wir permanent tun, Z.B: bewusst mit Wasser umgehen, fair einkaufen bei Kaffee oder Kleidung,
Energie sparen, für sich bewusst Zeit nehmen, bei Gott verweilen, egal wo man gerade ist.

Es geht auch darum, dass schon vermeintliche Kleinigkeiten Großes bewirken können. Wir stellen das fest, wenn wir für etwas Mundprogaganda macht, wenn man jemand persönlich anspricht und einlädt, wenn wir nicht alles kaufen , was in der Werbung steht. Stetes Nachfragen macht mürbe. Probieren wir es einfach aus!
Ich möchte abschließen mit einem Gedicht von Herrn Pfarrer Josef Roßmaier.(5)
Es heißt: Worte beim Beten

Lass die Worte nicht ins Belanglose fallen,
wie Öl aus einem alten Motor.
Denk sie aus,
nimm sie in die Seele,
weite sie,
rück ihre Grenzen auf Gott zu und
fülle sie mit dir,
mit der Sehnsucht,
mit mehr als du von ihnen weißt,
ergrab ihren Grund und
gieß Liebe hinein,
dass du durchbrichst,
und,
in die Wunden geschwemmt,
ankommst.

(1)Vgl. Neue Jerusalemer Bibel, Einleitung zu den Prophetenbüchern, Herder, Stuttgart 1995 (7. Auflage), Seite 1007
(2)Vgl.a.a.O.,Seite 1029
(3)Vgl. Beate Wehn, Die hartnäckige Witwe,Stuttgart 2004, Seite 37
(4)Aus: Der Glaube der Kirche. Ein theologisches Lesebuch aus Texten Joseph Ratzingers (Arbeitshilfen 248, hrsg. Vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz), Bonn2011, Seite 137
(5) Pfarrer i.R., Pfeffenhausen, Veröffentlichungen als Schriftsteller, Maler und Fotograf