St. Wolfgang wird größte Pfarrei

Pfarrgeschichte berührt und spiegelt stets die allgemeine Entwicklung ihres Umfelds. Während der folgenden Aufbaujahre nach dem Krieg war auch eine religiöse Aufbruchsstimmung zu spüren. Alte Kumpfmühler erzählen, wie dicht die Menschen in der Wolfgangskirche die Sonntagsmessen verfolgten, und der Mesner konnte sich mit seinem Klingelbeutel schwerlich einen Weg durch die Menge bahnen. Damals leuchteten alle Facetten pfarrlichen Lebens auf. Die Gläubigen wurden zu Standespredigten, Anbetungen und zur Monatskommunion eingeladen, 1950, 1961 und 1978 wurden Volksmissionen abgehalten. Eine Krankenpflegestation kümmerte sich um die Hauspatienten, die Pfarrcaritas sammelte Sachspenden und verteilte materielle Hilfe, Kinder wurden mit Essen versorgt, und Weihnachtspäckchen in die DDR verschickt. Es war die Blütezeit der Volkskirche, jede und jeder gehörte dazu.

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Es wuchsen neue Siedlungen, darunter die Trabantenstadt Königswiesen. Universität und Fachhochschule wurden gegründet, Studenten zogen ins Pfarrgebiet. Die Pfarrei, die mittlerweile 17.150 Katholiken zählte, wurde 1972 geteilt und die neue Pfarrei St. Paul entstand.

Die Ministrantenzahl erreichte 1970 ihren höchsten Stand mit 120 Buben, die starken Jugendstämme der Pfadfinder und der Pfadfinderinnen verbrachten ihre Wochenenden gern im Landhaus Lindach bei Kelheim. Die pfarrlichen Verbände blühten auf, so der bereits 1926 gegründete Mütterverein, die Marianische Männerkongregation, das Werkvolk (KAB), 1946 wird die Kolpingfamilie ins Leben gerufen, 1970 der Frauenbund und schließlich 1973 der Altenclub.

Weil ein Pfarrheim fehlte, traf man sich im Behnerkeller oder im alten Pfarrsaal an der Theodor-Storm-Straße. Es wurden auch Räume im Scala-Kino gemietet, die Mädchen trafen sich in einem Refugium hinter der Kirche, der Kirchenchor im Keller des Pfarrhauses. Wenn auch die Raumsituation ungenügend war, so zeigten doch alle Gruppen ein reges Leben und zählen bis heute zu den Säulen der Pfarrgemeinde. Viele Ordensschwestern und 52 Neupriester kamen seit Bestehen der Pfarrei hervor, eine beachtliche Anzahl. Der Großteil von ihnen sprach in diesen Jahrzehnten tiefer Frömmigkeit ihr Adsum ("Hier bin ich - Ich bin bereit."). Etliche entschlossen sich, in die Mission zu gehen, einer unter ihnen wurde Bischof in Südafrika, Dr. Hubert Bucher, der mit seiner Heimat bis auf den heutigen Tag gute Beziehungen unterhält.