Geschichte der Pfarrei St. Wolfgang

Den Wurzeln und der Geschichte unserer Pfarrei St. Wolfgang nachzuspüren lohnt sich, denn die Wiederentdeckung der Vergangenheit hilft, den eigenen Standort in der Gegenwart zu finden. Dieser Rückblick umfasst neben der Baugeschichte von Pfarrkirche, Pfarrheim und den Biographien der früheren Pfarrer auch die Beschreibung der Alltagsfrömmigkeit und des praktizierten Glaubens.

Wenden wir uns zunächst dem Dorf Kumpfmühl zu in einer Zeit, als die katholische Pfarrei St. Wolfgang noch nicht bestand.

Das Bild ist eine Rarität, es stammt aus dem Jahre 1905. Deutlich ist die Theresienkirche zu erkennen, davor die helle Umfassungsmauer des Schulgartens (heute Karl-Bauer-Park), links eine Ziegelei, diese Brennerei wurde vor dem Ersten Weltkrieg eingestellt. Das Gelände hinter dieser Fabrik wurde Jahrzehnte später für den Bau der Wolfgangskirche ausgewählt.

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Die Errichtung der Pfarrei 1921

Vor einhundert Jahren prägten zwei große Kirchen unsere Gegend vor den Toren Regensburgs.

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Die ehrwürdige Klosterkirche St. Vitus mit ihren beiden achteckigen Türmen, sie ist über 1000 Jahre alt. Bis zur Säkularisation 1803 betreuten die Kartäuser mit ihrer Klosterpfarrei Karthaus-Prüll die Hofmark Kumpfmühl, dann kam das Dorf kurzzeitig zur Pfarrei Dechbetten. Als Kumpfmühl in die Stadt eingemeindet wurde, hat man den Ort dem Sprengel der Stadtpfarrei St. Rupert bei St. Emmeram zugeteilt, und zwar von 1816 bis 1921.

Im Jahre 1900 kam ein weiteres Gotteshaus hinzu. Die Unbeschuhten Karmeliten vom Alten Kornmarkt errichteten am Vitusbach ihre Klosterkirche St. Theresia, daneben ein Filialkloster mit Knabenseminar für den Ordensnachwuchs. St. Vitus und St. Theresia sind heute Nebenkirchen von St. Wolfgang und werden auf unserer Homepage eigens gewürdigt.

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Damals bestand das Dorf Kumpfmühl aus etwa 60 Hausnummern, es gab einen Gasthof, eine Schmiede, eine Gendarmerie und eine Warenhandlung. Die Bewohner lebten zumeist als Handwerker oder Gärtner des Fürstlichen Hauses, arbeiteten in der Ökonomie des Klosters St. Vitus oder betrieben selbst eine Landwirtschaft. Diese Idylle wandelte sich mit der aufkommenden Industrie und mit dem Anschluss Regensburgs an das Eisenbahnnetz 1859. Neue Berufe entstanden: der Fabrikarbeiter oder der Eisenbahner. Sie benötigten Wohnungen, um die sich der St. Wolfgangsbauverein annahm. Die Zeit für einen eigenen Pfarrbezirk schien reif, denn der Kirchweg über das Bahngelände nach St. Rupert war vielen zu weit. 1917 gründete sich ein eigener Kirchenbauverein, zum Patron war der hl. Wolfgang vorgesehen, sein Grab ist in St. Emmeram. Drei Jahre später wurde der Emmeramer Kooperator Johann Baptist Meister als Seelsorger nach Kumpfmühl entsandt.

Kumpfmühl zählte bereits 4210 Einwohner, als am 13. September 1921 Bischof Antonius von Henle die Pfarrei St. Wolfgang kanonisch errichtete, indem er Kumpfmühl aus dem Sprengel der Mutterpfarrei St. Emmeram löste. Bischof Antonius erwies sich als weitschauender Hirte. Sieben Pfarreien in Regensburg entstanden unter ihm, denn die Stadt breitete sich in alle Windrichtungen aus.

Die Notkirche 1922 – 1937

Expositus Meister kaufte noch im selben Jahr 1921 ein Grundstück auf der Höhe des Königsberges (heute Kirchplatz und Pfarrzentrum) und besorgte eine Militärfliegerhalle aus Grafenwöhr, die er als Provisorium aufstellen und zu einer Kirche ausschmücken ließ. Diese "Stadelkirche" weihte Bischof Antonius von Henle am 6. August 1922 ein.

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Innenaufnahmen belegen, mit welchem Geschick und wie freundlich die Holzkirche St. Wolfgang eingerichtet war. Die dringlichste Sorge der neuen Pfarrei galt den Kindern. Bereits zwei Jahre nach Gründung, 1923, wurde bei der Kirche der erste Kindergarten unseres Stadtteils eröffnet. Das Haus stellte der St.-Wolfgangs-Bauverein zur Verfügung. Da das Geld während der großen Inflation nichts wert war, kam dies einer Schenkung gleich. Arme Schulschwestern zogen ein, die bis 2012 segensreich für unsere Kleinsten wirken.

 

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Baumeister Dominikus Böhm aus Köln

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Die Holzkirche erwies sich für den aufstrebenden Stadtteil viel zu klein. Dr. Joseph Habbel, Kommerzienrat und Gründer Regensburger Zeitungen, Vorstand im St. Wolfgangsbauverein und Kirchenpfleger, lernte auf seinen Reisen den Kölner Architekten Professor Dominikus Böhm (1880 - 1955) kennen und bat ihn, die Pfarrkirche in seiner Heimat zu entwerfen. Die Wahl Böhms war ein Glücksfall, denn der Schöpfer der Wolfgangskirche gilt inzwischen als der führende Kirchenarchitekt des 20. Jahrhunderts in Deutschland. 50 Kirchen hat er zumeist im Rheinland errichtet, vielen weiteren Kirchen hat er baulich verändert. Böhm besaß den Mut, modern zu bauen, dennoch lassen sich in der Wolfgangskirche vielfältige Verbindungen zur mittelalterlichen Architektur Regensburgs erkennen. St. Wolfgang ist der letzte große Kirchenbau Böhms vor dem Zweiten Weltkrieg und

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Dorniger Kirchenbau in der NS-Zeit 1938 - 1940

Pfarrer Meister fuhr nach Berlin, um die Baugenehmigung abzuholen: Ein Wunder war geschehen! Schon am Tag danach wurde die Notkirche abgerissen, um vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor es sich die kirchenfeindlich eingestellte Baubehörde anders überlegt. Die beiden Nebenaltäre Hl. Maria und Herz Jesu schmücken heute die Kirche in Kareth. Am 26. Juni 1938 legte Weihbischof Dr. Johannes Höcht den Grundstein, er trägt einen Pfeiler des Kirchturms und ist der größte Stein der Kirchenanlage.

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Der "Dom von Kumpfmühl"

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Eine Würdigung der Wolfgangskirche ist nun an der Zeit. Die Kumpfmühler dürfen stolz auf ihre Pfarrkirche sein. Sie sind es auch, denn sie kann einige Superlative vorweisen. Über 150 Gotteshäuser wurden in der 34-jährigen Amtszeit Bischof Dr. Michael Buchbergers in der Diözese errichtet. Keine von ihnen hat jedoch derart neue architektonische Wege beschritten und ist auch nur annähernd so eigenwillig und klar ausgefallen wie St. Wolfgang. Ihre unverwechselbare Gestalt auf dem Königsberg dominiert über dem Stadtteil. Mit ihr wurde das historische Regensburg um ein Wahrzeichen aus der Neuzeit bereichert.

Das Äußere will mit dem Dom wetteifern, der die mittelalterliche Kirche repräsentiert. Beide stehen an markanten Punkten unserer Stadt, an den beiden Römerkastellen. St. Wolfgang ergänzt, was am Dom fehlt, ordnet sich aber zugleich unter. Die Kathedrale im Tal wirkt filigran, hochstrebend, besitzt ein Langhaus, jedoch ohne eine Fensterrose. St. Wolfgang am Berg hat glatte Wänden und waagrechte Streifen, ein Zentralbau mit vier Rosetten. Sie will Kirche unserer Zeit sein.

Von welcher Seite man sich der Wolfgangskirche auch nähern mag, überall fällt die wuchtig aufragende Kreuzform ins Auge. Das Kreuz wird ins Überdimensionale gesteigert und ist die eigentliche Botschaft des Baus. Durch das Kreuz der Erlösung ist uns der Zugang zur Himmelsstadt eröffnet. Um die reine Kreuzform der Kirche zu erhalten, wurde der Glockenturm bescheiden daneben gesetzt. St. Wolfgang ist eine zu Stein gewordene Verkündigung, ein eindrucksvolles Symbol unseres Glaubens. 

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„Ich baue, was ich glaube“, sagte Böhm. Seine geistigen Wurzeln gehen zurück auf den Religionsphilosophen Romano Guardini, der ihn mit seiner Christozentrik prägte. Böhm kannte auch die sogenannte Liturgische Bewegung, ausgehend um 1925 von Maria Laach bei Köln, die die Mitwirkung der Gemeinde entdeckte. In St. Wolfgang wird schon drei Jahrzehnte vor dem 2. Vatikanischen Konzil das Wort Gottes durch zwei Ambone betont, der Chor erhält eine herausragende Rolle, indem er im Altarraum Platz findet. Der Taufstein fristet kein Winkeldasein, sondern erhält Platz in einem Baptisterium wie in frühchristlicher Zeit. Die Gemeinde gruppiert sich im Halbkreis um den Altar zur Mitfeier. Der Altar selbst steht im Mittelpunkt, ein Novum im neuzeitlichen Kirchenbau.

Rundgang durch die Wolfgangskirche

An der Raumwirkung und an der Ausstattung einer Kirche lässt sich erkennen, wie eine Gemeinde ihren Glauben und sich selbst versteht. Die Wolfgangskirche ist dafür ein gutes Beispiel. Diese Beschreibung will keinen Kirchenführer ersetzen, sondern auf Besonderheiten deuten.

Der Raum

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Beim Eintreten empfängt uns mystische Dunkelheit, unter den schweren Steinbögen wird es hell. Man wird angezogen von der gewaltigen Höhe des Kreuzraums. Nach dem Dom gehört er zu den gewaltigsten Räumen Ostbayerns. Die Kassettendecke befindet sich in 23 Meter Höhe. Niederkirche und Hochkirche sind in ihrer Grundfläche gleich groß, bilden aber zwei völlig geartete Raumteile, sie symbolisieren die beiden Naturen Christi: Gott und Mensch. Ihr gegenseitiges Kräftespiel gilt als die spektakulärste Raumerfindung Böhms. Sodann beeindrucken die hellen Wandflächen. Was vielen schmucklos erscheint, ist in Wirklichkeit Ausdruck tiefster, jenseitsbezogener Darstellung. Der Gottesstadt ist eigen, kein Beiwerk zu benötigen, nicht einmal Mond oder Sonne zum Leuchten. In ihr ist die alte Schöpfungsordnung aufgehoben, denn Gott selbst ist ihr Schmuck. Darum bedarf die Wolfgangskirche keiner Dekoration, die unser Gottesbild in eine bestimmte Richtung lenken würde. Zudem schildert die Bibel die Leere als Ort einer besonders intensiv erfahrbaren Gottesgegenwart, so in der Wüste oder in der Einsamkeit. Die Wolfgangskirche lebt ausschließlich aus elementaren Vorstellungen und erreicht dadurch ihre Monumentalität. Auch das Symbol des Lammes fehlt nicht, das der Gottesstadt eigen ist: Johannes trägt es.

Die Rundfenster

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Die farbenfrohe Westrosette wirkt wie ein riesiger Edelstein. Sie ist aus 17.300 Einzelteilen zusammengesetzt. Die märchenhafte Sinfonie der Farben konzentriert sich auf den geheimnisvollen Dreiklang, der den Glasmalereien des Mittelalters eigen war: das Rot, das damit kontrastierende Grün und das satte, tiefe Blau. Dazwischen flirren goldgelbe Splitter. Gold ist die Farbe göttlicher Majestät. Im Zentrum der Rose, in dem ein Kreuz eingeschrieben ist, flimmern die Gläser brillierend um die Wette und mischen sich zu einem prickelnden Feuerwerk. Die strenge Geometrie des Rundfensters besteht aus dem Blütenkern, es folgt eine doppelte Reihe von Rosenblättern und außen ein Kranz von zwölf Kreuzscheiben. Dominikus Böhm schuf ein Dutzend kolossaler Radfenster in stetiger Weiterentwicklung. Die prachtvolle Chorrose von St. Wolfgang gilt als seine schönste. Unter dem Rosenfenster öffnet sich der größte Orgelprospekt unserer Diözese. Über zwölf Meter Breite beträgt die Fassade der Pfeifen. Die vier Rosenfenster geben der Pfarrgemeinde wie Sterne oder Kompass Orientierung auf dem Weg durch die Zeit.

Das Wolfgangshochgrab

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Das Hochgrab des Titelheililgen in der Mittelachse der Kirche wurde nach der Wolfgangstumba in St. Emmeram ausgeführt. Bischof Wolfgang trägt jugendliche, ideale Gesichtszüge im Christusalter, er ist lebend und mit fürstbischöflichem Ornat dargestellt. Wolfgang wirkte 22 Jahre lang als Bischof von Regensburg, gründete das Bistum Prag und starb 70-jährig am 31. Oktober 994.

Dort, wo das Herz schlägt, wurde 2004 eine Reliquie des heiligen Wolfgang in die steinerne Liegefigur eingefügt. Im Schauglas ist die lateinische Inschrift eingraviert: Sepulcrum Sancti Wolfgangi episcopus, Grab des heiligen Bischof Wolfgang. Hier ist ein Ort der Erinnerung, an dem die Gläubigen die Nähe und Fürbitte unseres Pfarrpatrons besonders verspüren. Zum Abschluss unseres kleinen Rundgangs bietet sich ein Besuch in der Taufkapelle an.

 

Petrus in der Reue

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Beim Eintritt in den Kapellentrakt treffen wir auf ein beachtliches Werk des deutschen Expressionismus: Der hl. Petrus zwängt sich in eine Wandnische. Es handelt sich um eine meisterhaft gelungene Bronzeplastik (1947) von Gottfried Böhm (geb. 1920), Sohn des Kirchenarchitekten. Als bisher einziger Deutscher erhielt er den Nobelpreis in Architektur. Mit dieser Figur nahm er nach dem Krieg den Stil eines Ernst Barlach wieder auf und entwickelte ihn weiter. Das Dritte Reich hatte diese Kunstrichtung geächtet.

 

Das Baptisterium

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Die Taufkapelle ist ein besonders kostbares Juwel, das mit einem historischen Ereignis verknüpft ist: Seine Eminenz Joseph Kardinal Ratzinger, damals Präfekt der Glaubenskongregation, segnete das renovierte Baptisterium am 31. Oktober 2001, drei Jahre vor seiner Papstwahl. Eine Tafel am Eingang zur Taufkapelle kündet von dieser Benediktion, es ist wohl der einzige Sakralraum in der Diözese, den der spätere Papst weihte. Das Baptisterium zeichnet sich wie der Kirchenbau insgesamt durch die Vollkommenheit in den Proportionen aus. Durch die Kuppel wird im Raumkörper eine exzellente Klangwirkung erzielt.

Wenden wir uns nach diesem Ausflug in die Kunstwelt einer Tragödie in der Pfarreigeschichte zu, denn die Pfarrkirche wird - kaum aufgebaut - im Dezember 1944 durch einen Luftangriff schwer beschädigt (Siehe nächste Seite: Zerstörungen im 2. Weltkrieg).

 

 

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau

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Im Zweiten Weltkrieg fielen 250 Pfarrangehörige auf Kriegsschauplätzen. Ihre Namen sind auf den Tafeln an der Südwestecke in der Kirche verzeichnet. Daheim waren zusätzlich 200 Opfer bei Bombenangriffen zu beklagen, der schwerste ereignete sich am Dienstag, den 28. Dezember 1944, vier Jahre nach der Fertigstellung der Wolfgangskirche. Die Schlacht um Stalingrad war längst verloren, die Alliierten standen bereits auf deutschem Boden, ihre Bombenabwürfe sollten die Bevölkerung zermürben. Am besagten Tag der Unschuldigen Kinder schlug ein Bombenhagel um 12.30 Uhr mittags eine Schneise von der Theresienkirche bis zur Eigenheimsiedlung hinauf. In diesen Sekunden verloren 29 Menschen ihr Leben, darunter alle neun Mitglieder der Bäckersfamilie Graf aus der Kumpfmühler Straße mit Ausnahme der Tochter Hilde. Pfarrhof und Kirche erhielten Volltreffer. Das steinerne Wolfgangshochgrab wurde zum Altarraum geschleudert, der Niederkirche fehlte das Dach. Die Verdunkelung der Kirche mit grünen Binsenmatten hatte den Angriff nicht verhindern können. Noch 1996 stieß man beim Pfarrheimbau hinter der Kirche auf einen Bombentrichter.

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An dieser Stelle gilt unser Andenken Stadtpfarrer Georg Lacher, der sich um die Opfer in heroischer Weise angenommen hatte. Ein Jahr vor dem besagten Angriff hatte ihn Erzbischof Buchberger nach St. Wolfgang entsandt, wo er dann mehr als eine Generation prägte (1943 - 1972). Noch heute ist Prälat Lacher für Kumpfmühler ein Begriff. Er ließ die schwer beschädigte Pfarrkirche, die Hauskapelle und das Pfarrhaus unter unvorstellbaren persönlichen Einsatz herrichten. Ihm zu Ehren zeigt das Steinrelief bei der Pfarrhaustür den hl. Georg, auch eine Kirchenglocke ist nach seinem Namenspatron benannt. Unter ihm wuchs St. Wolfgang zur größten Pfarrei im Bistum, bis St. Paul 1972 abgetrennt wurde. Seine Verdienste wurden gewürdigt durch die Verleihung des Ehrentitels Prälat, den er in St. Wolfgang noch fünf Jahre tragen durfte. Er starb er am 1. Oktober 1974 mit 71 Jahren, sein Grab befindet sich an der Friedhofsmauer in Neukirchen-Balbini.

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St. Wolfgang wird größte Pfarrei

Pfarrgeschichte berührt und spiegelt stets die allgemeine Entwicklung ihres Umfelds. Während der folgenden Aufbaujahre nach dem Krieg war auch eine religiöse Aufbruchsstimmung zu spüren. Alte Kumpfmühler erzählen, wie dicht die Menschen in der Wolfgangskirche die Sonntagsmessen verfolgten, und der Mesner konnte sich mit seinem Klingelbeutel schwerlich einen Weg durch die Menge bahnen. Damals leuchteten alle Facetten pfarrlichen Lebens auf. Die Gläubigen wurden zu Standespredigten, Anbetungen und zur Monatskommunion eingeladen, 1950, 1961 und 1978 wurden Volksmissionen abgehalten. Eine Krankenpflegestation kümmerte sich um die Hauspatienten, die Pfarrcaritas sammelte Sachspenden und verteilte materielle Hilfe, Kinder wurden mit Essen versorgt, und Weihnachtspäckchen in die DDR verschickt. Es war die Blütezeit der Volkskirche, jede und jeder gehörte dazu.

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Es wuchsen neue Siedlungen, darunter die Trabantenstadt Königswiesen. Universität und Fachhochschule wurden gegründet, Studenten zogen ins Pfarrgebiet. Die Pfarrei, die mittlerweile 17.150 Katholiken zählte, wurde 1972 geteilt und die neue Pfarrei St. Paul entstand.

Die Ministrantenzahl erreichte 1970 ihren höchsten Stand mit 120 Buben, die starken Jugendstämme der Pfadfinder und der Pfadfinderinnen verbrachten ihre Wochenenden gern im Landhaus Lindach bei Kelheim. Die pfarrlichen Verbände blühten auf, so der bereits 1926 gegründete Mütterverein, die Marianische Männerkongregation, das Werkvolk (KAB), 1946 wird die Kolpingfamilie ins Leben gerufen, 1970 der Frauenbund und schließlich 1973 der Altenclub.

Weil ein Pfarrheim fehlte, traf man sich im Behnerkeller oder im alten Pfarrsaal an der Theodor-Storm-Straße. Es wurden auch Räume im Scala-Kino gemietet, die Mädchen trafen sich in einem Refugium hinter der Kirche, der Kirchenchor im Keller des Pfarrhauses. Wenn auch die Raumsituation ungenügend war, so zeigten doch alle Gruppen ein reges Leben und zählen bis heute zu den Säulen der Pfarrgemeinde. Viele Ordensschwestern und 52 Neupriester kamen seit Bestehen der Pfarrei hervor, eine beachtliche Anzahl. Der Großteil von ihnen sprach in diesen Jahrzehnten tiefer Frömmigkeit ihr Adsum ("Hier bin ich - Ich bin bereit."). Etliche entschlossen sich, in die Mission zu gehen, einer unter ihnen wurde Bischof in Südafrika, Dr. Hubert Bucher, der mit seiner Heimat bis auf den heutigen Tag gute Beziehungen unterhält.

Frische nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Die Jahre des Wirtschaftswunders zeigten bald eine andere, bittere Kehrseite: Viele vergaßen die Sorge um die eigene Seele. Doch das Zweite Vatikanische Konzil brachte die Öffnung zur Welt, und den Pfarrgemeinden einen spürbaren Aufbruch. Nach der Liturgiereform wurde das Kreuz, das sich bisher auf dem Altarstein befand, in den Lettner zurückversetzt. Als 1968 im Sinne des Konzilsdekretes Lumen Gentium Pfarrgemeinderäte ins Leben gerufen wurden, erwies sich dieser Schritt als segensreich. Laien sind aus dem Leben der Pfarrgemeinde nicht mehr wegzudenken.

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Der Bau des Pfarrheims 1996 - 1998

Jahrzehntelang hat die Pfarrgemeinde auf ein neues Pfarrheim gewartet (Das Bild zeigt den Platz, auf dem heute das Pfarrheim steht). Endlich am 22. Januar 1993 fiel unter dem neuen Pfarrer Alois Möstl der Beschluss der Kirchenverwaltung zu einem Pfarrheimbau. Kirchenpfleger Prof. Dr. Gottfried Nahr ging energisch das Projekt an, und zwar folgendermaßen:

 

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Bereits 1940 gab es Pläne vom Kirchenarchitekten Böhm, an der westlichen Seite der Kirche ein Gemeindehaus zu errichten, der Krieg ließ diese Pläne in Vergessenheit geraten, zumal dort inzwischen das Hemmaheim der Kath. Jugendfürsorge stand. Es wurde ernsthaft erwogen, den Schmauskeller oder das alte Skala-Kino zu erwerben und umzubauen, auch ein Standort im Pfarrgarten wurde debattiert.

In dieser Situation stellte sich eine glückliche Fügung ein: Mit dem Neubau des Hauses Hemma eröffnete sich 1993 die Möglichkeit zu einem Grundstückserwerb von der Kath. Jugendfürsorge, um Platz für das Pfarrheim im Westen der Kirche zu schaffen. Dazu musste die Grenze um einige Meter zum Haus Hemma gerückt werden. Dies gelang in zähen Verhandlungen. Die ursprüngliche Idee Böhms schien wieder realisierbar, das Pfarrheim als Pendant zur Niederkirche zu errichten und damit einen Zentralbau zu schaffen.

Im November 1994 erhielt der Entwurf des Kölner Architekten Peter Böhm (geb. 1954), ein Enkel des Kirchenbaumeisters, den Zuschlag in einem Architektenwettbewerb. Ausschlaggebend war die konsequente, architektonische Umsetzung des zentralen Gedankens beim Bau der Wolfgangskirche:

Christus ist die Mitte unseres Lebens.

Das neue Pfarrheim soll den bestehenden Vorbau der Kirche im Osten nun auch im Westen wiederholen. Es fügt sich ein in die Gesamtanlage, ihr Mittelpunkt ist der Altar. Hier mündet unser Wirken ein in den Lobpreis Gottes, von dort fließt unserer Pfarrgemeinde Kraft zu. Diese Grundidee ist in ihrer Einfachheit und Konsequenz bestechend. Denkmalpflege und städtebauliche Aufsicht waren davon begeistert.

Alle Gruppierungen der Pfarrei brachten ihre Wünsche für die Raumaufteilung im Pfarrheim vor, besonders die Jugend sollte sich im Untergeschoss wohlfühlen. Die Pfarrmitglieder unterstützten das Projekt in einer hervorragenden Weise mit Spenden und Patenschaften, und dies in einer Zeit, als Arbeitslosigkeit herrschte und Ausgaben hinterfragt wurden.

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Der Grundstein, am 13. Juli 1996 gelegt, stammt aus der Nachbardiözese Pilsen. Die eigentliche Bauphase hatte es in sich. Schon die Wahl des Materials bedurfte einiger Überzeugungskraft, nicht nur bei den Mitgliedern der Kirchenverwaltung. Man entschied sich für glänzenden Weißbeton. Beim Gießen gelang aber nicht jeder Abschnitt gleich gut, hier traten wetterbedingte Farbabweichungen auf, dort ist eine Betonnase abgesprungen. Die Firmen mussten Höchstleistungen erbringen, schließlich galt es, 500 Kilogramm schwere Schalungselemente, die wegen der erhabenen Fugen nur einmal verwendet werden konnten, auf den Millimeter genau zu platzieren und zu justieren.

 

 

 

 Bilder vom Baufortschritt

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Das Ergebnis: Einheit von Raum und Licht

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Nun steht es da, das Bauwerk, und zeigt die Leistung der Bauleute. Wände, Steine und Hölzer sind weitgehend unbehandelt, was nicht heißt, dass später einmal auch ein Maler kommen kann. So ist der Bau ein Zeugnis für unsere Zeit, was ihr und der Kirche not tut: die Echtheit.

Architekt Peter Böhm dachte bei seiner Planung an das angrenzende Römerkastell, an die Straßen und Plätze der Regensburger Altstadt, an die Geschlossenheit und den meditativen Charakter der Wolfgangskirche mit ihren Kalksteinbändern und dem Maßwerk der Fensterrosen. Diese Gedanken übersetzte er, ohne die Wünsche der Pfarrmitglieder zu übersehen:

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Die Jahrtausendwende

Die Glocken von St. Wolfgang läuteten das Heilige Jahr 2000 ein. Es hatte viele Höhepunkte gesehen, darunter das große ökumenische Treffen mit evangelischen, orthodoxen und altkatholischen Christen während der Pfarrwoche. Dieses Miteinander gehört zur Glaubwürdigkeit. So fanden während des Baus des ev.-luth. Gemeindezentrums St. Johannes die Gottesdienste in St. Theresia und in unserem alten Pfarrsaal statt, ihr Kindergarten war in unserem Kindergarten St. Wolfgang II. untergebracht. Der rumän.-orth. Gemeinde stand die Krypta 2001 für ihre Liturgie offen. Viele Gemeinsamkeiten tätiger Nachbarschaft und Geschwisterlichkeit wären noch anzufügen.

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Städtische Anonymität und unsere mobile Gesellschaft

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Die Kirchenrenovierung 2001 - 2005

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Auswärtigen Besuchern fiel es zuerst auf: Eure Pfarrkirche zeigt Risse, Pfützen bilden sich bei Regen, die Wandflächen sind verrußt, die Neonröhren antiquarisch. In mehreren Bauabschnitten wurden zwischen 2001 und 2005 die Taufkapelle, das Kircheninnere, der Außenputz und schließlich die Krypta von Grund auf renoviert, auch das Eternit-Dach der Niederkirche, ausgeführt vom Büro Siegmüller. Begonnen wurde mit der Renovierung der Taufkapelle, Joseph Kardinal Ratzinger segnete sie, wie oben erwähnt.

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Was bringt die Zukunft?

Rein äußerlich gesehen ist alles noch so wie vor 20 oder 30 Jahren. Der Hahn auf dem Dachreiter begrüßt nach wie vor als Erster die aufgehende Sonne, Kumpfmühl hat nichts von seinem Reiz verloren, wenngleich die baulichen Veränderungen unübersehbar sind.

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Auch die religiöse Landschaft wandelt sich. Dabei macht unser Stadtteil keine Ausnahme im deutschlandweiten Trend zu neuen Lebensformen, geringer werdenden Kinderzahlen und zurückgehender religiöser Praxis.

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Literatur

Der Artikel zur Pfarreigeschichte wurde von Pfarrer Alois Möstl im Jahr 2009 verfasst. Verwendete Literatur:

  • Habbel, Josef: Dominikus Böhm - Ein Deutscher Baumeister, Regensburg 1943
  • Schnell, Hugo: Dominikus Böhm, München 1962
  • Reidel, Dr. Hermann: St. Wolfgang, Kleiner Kunstführer Nr. 1137, Schnell und Steiner 1978
  • Brülls, Holger: Neue Dome, Berlin - München 1994
  • Unveröffentlichte Quellen im Pfarrarchiv St. Wolfgang Regensburg